16. Fuss-Etappe: Rifugio Prarayer - Breuil Cervinia
Eine erste Schlüsselstelle. Unsere bisher längste und mit
3'072 m höchste Etappe.

Streckenlänge: 29 km
Reine Marschzeit: 10 h 20 min
Höhenunterschiede: + 1'733 m - 2'040 m
Bewertung: T5
Teilnehmer: Emilia und Hansjörg Giger.
Routenverlauf: Rifugio Prarayer (2'010 m) - Alpe Valcournière (2'170 m) – Chardonney (2'460 m) – Col de Valcournière (3'072 m) – Rifugio Perucca Vuillermoz (2'909 m) - Bivacco Duccio Manenti (2'790 m) - Lac de Balanselmo (2740 m) - Lac de Tsiganaz (2'186 m) - Alpe Tsiganaz (2'306 m) - Fenêtre de Tsiganaz (2'445 m) - Vachère (2'055 m) - Crépin (1'594 m) - Paquier (1'440 m) - Singlin (1'667 m) - Perrière (1'825 m) - Avuil (1'966 m) - Breuil-Cervinia (2'040 m)

Was wir erlebt haben:
Weil diese Etappe schon etwas Spezielles ist, gibt es hier einen ausführlicheren Bericht.

  1. Fast etwas wehmütig verlassen wir heute das Valpellinetal, um über den Col de Valcournière ins Valtournenche zu gelangen. Zuerst geniessen wir aber noch das ausgiebige Frühstück in der Rifugio Prarayer.
  2. Der Col de Valcounière fordert uns ganz schön. Nach einem etwas steileren Anstieg durch einen Lerchenwald kommen wir in ein etwas flacheres Hochtal, aber nachher heisst es nur noch steigen, steigen, steigen, über Geröllhänge, Felsblöcke, Kar und harten Firn. Und auch die Signalisation ist schwerer zu finden. Die Route ist auch fast menschenleer. Ausser einer entgegenkommender Vierergruppe Franzosen und einem Italiener vor uns, begegnen wir bis Crépin keinem Menschen. Den Italiener haben wir bald ein- und überholt. Obwohl einiges jünger als wir, scheint er konditionell am Anschlag zu sein. Steinböcke schauen unserem Treiben gelassen von oben zu, fast als wollten sie sagen: "Warum so mühsam? Ist doch ganz einfach." Endlich oben angekommen geniessen wir kurz den fantastischen Rundblick. Was leben wir doch nur auf einem herrlichen Planeten, für den es sich wirklich lohnen würde, etwas mehr Sorge zu tragen.
  1. Der Abstieg geht zuerst über einen mit Steinblöcken durchsetzten Schutthang auf einen Gletscher herunter. Das Ganze ist mit einem vorzüglich dickem Seil gesichert. Der Gletscher ist zwar blank und ziemlich steil, aber so mit Steinen übersäht, dass man gut ohne Steigeisen absteigen kann. Beim Biwak Manenti merken wir erst, dass wir auf der ganzen Route noch nichts gegessen haben. So machen wir eine längere Rast, was dem überholten Italiener die Gelegenheit gibt, wieder zu uns aufzuschliessen. Er meint, dass er sich komplett über-
    schätzt hätte und deshalb in diesem Biwak übernachten möchte. Wir beneiden ihn nicht darum. Sind doch diese, häufig in Italien anzutreffenden, Biwaks eher etwas schmudelig. Nach dem Fenêtre de Tsignanaz leisten wir uns den Umweg nach Paquier, obwohl wir dadurch noch viel weiter absteigen und nachher entsprechend wieder mehr aufsteigen müssen. Aber die Informationen welche wir dort über die Walserzüge bekommen, ist uns das wert.
  2. Das obere Valtourtournenche ist touristisch viel mehr er-
    schlossen als das Valpelline. Insbesondere Breuil-Cervinia, einst eine Alp und noch in den dreissiger Jahren ein kleines Dorf hat sich rasant, ähnlich Zermatt, zu einem Touristen-
    zentrum entwickelt. Nicht nur zum Vorteil. Bei etlichen Ge-
    bäuden hat man das Gefühl, dass es sich um Spekulations-
    bauten handelt und passen entsprechend auch nicht in die sonst sehr schöne Landschaft. Vom Valtournenche kommt auch der legendäre Jean-Antoine Carrel. Erst Seilschafts-partner von Edward Wymper, lieferte er sich später zu seinen Ungunsten einen Wettkampf um die Erstbesteigung des Matterhorns. Allerdings haben sich die zwei in der Folge wieder zusammen gefunden und in Südamerika nahmhafte Erst-besteigungen gemacht. So zum Beispiel den Chimborazo.


Nach diesem Hochtal geht es richtig zur Sache. Der Weg wird immer steiler. Es wird hochalpin mit Kar, Felsblöcken und Hart- firneinlagen.


Bei einer Rast machen wir nochmals ein Bild von unserem Auf-
stieg. Ganz zuunterst im Tal liegt die Rifugio Prarayer. Und wir haben erst die Hälfte bis zum höchsten Punkt.

Und nochmals blicken wir zurück.

Und dann beginnt ein endloser Abstieg. Zuerst diesem Seil entlang auf einen Gletscher, dann über Moränen und Felsblöcke, bis wir wieder auf einen normalen aber nicht endend wollenden Bergweg stossen.


Zwischendurch gibt es Ketten und künstliche Tritte die den Aufstieg erheblich erleichtern.


Aber irgendwann ist auch das geschafft. Wir stehen auf dem Col de Valcournière.


Und natürlich auch nach vorne, was uns erwartet.

Breuil-Cervinia mit dem Matterhorn von der Südseite. Ein für uns etwas ungewohnter Anblick und wir finden halt die Schweizer-
seite schon etwas attraktiver.